Bildgestaltung: Formen (shapes)

Geometrische Formen kennen wir von Kindesbeinen an. Sehr bald lernen wir, einen Kreis von einem Viereck, ein Dreieck von einem Quadrat zu unterscheiden. Dann kommt das Ganze noch in 3D dazu, also eine Kugel ist etwas anderes als ein Würfel. Klar.

Vielleicht ist dieses frühe Wissen auch der Grund, warum uns solche Formen immer noch ansprechen und unser Interesse auf sich lenken. Jedenfalls findert das wache Fotografenauge – besonders in dieser Zeit – immer wieder geeignete Gelegenheiten, sich bei der Bildgestaltung auf solche Formen zu beziehen.

Dabei ist besonders das Fotografieren von Kugeln am Weihnachtsbaum tückisch, weil die Kugeln nun mal Eigenschaften haben, die denen von Fischaugen-Linsen ähneln, d.h. einen weiten Horizont haben. Und da die (ungeschriebene) Regel gilt, dass der Fotograf möglichst nicht auf seinem Foto zu sehen sein soll, wird das bei einer Kugel eine echte Herausforderung, wie auch mein Beispiel zeigt.

Weihnachtskugel als Beispiel für eine runde Form als Attraktion. Wo ist der Fotograf? (Foto: mm)

Um sich interessante Formen nutzbar zu machen, lohnt es sich auch bei diesem Aspekt der Bildgestaltung, die Perspektive zu wechseln und den normalen Alltagsblickwinkel zu verlassen, wie das nachstehende Foto zeigt.

Neue Perspektive, sogar mit plattem Reifen (Foto: mm)

Dass dieses Bild in schwarz-weiß angeboten wird, hebt die Form an dieser Stelle hervor, weil Ablenkungen durch Farbelemente unterbunden werden. Dass der Reifen platt ist, sieht mancher erst auf den zweiten Blick. Schadet oder hilft das dem Foto?

Bildgestaltung: Linien und Kurven (Lines and Curves)

Brooklynbridge
Blick von der Brooklyn-Bridge zur Manhattan-Bridge

Ein weiteres Element, das Bilder gestalten hilft, sind Linien und ihre „Abkömmlinge“, die Kurven . Im Beispiel oben sind es die Verspannungen an der Brooklyn-Bridge und das Tragegerüst für die Autostraße, die unter dem Fußgängerweg über das Wasser führt. In diesem Beispiel sind es einfach übereinandergelegte Linien, die den Blick auf sich ziehen.

Hier sprechen die Linien als Designelement des Tunnels eine deutliche Sprache und weisen dem Betrachter den Weg für seinen Blick.

Brooklyn-Bridge

In diesem Foto sind Linien und Kurven kombiniert und leiten den Blick des Betrachters. Wenn man also mit der Kamera unterwegs ist, lohnt immer auch, das Augenmerk auf vorhandene Linien und Bögen zu legen, weil sie von sich aus dem Bild ganz natürlich Struktur geben. Mit einem kleinen Schritt nach links wäre auch noch Symmetrie bei diesem Bild gelungen.

Jahreszeiten: Der Herbst

Jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit, so auch der Herbst. Hier sind einige Tipps, auf die man bei Herbstfotos achten könnte.

  1. Farben – das ist logisch, nicht wahr? Der Herbst wartet mit besonders satten Farben auf, die in der Sonne leuchten können oder besonders intensiv werden. Nutzen wir das satte Farbenspiel.
  2. Raum lassen – das ist zwar gerade bei dem Foto oben anders gelöst, kann aber den Charme eines Herbstfotos definitiv erhöhen. Ein einzelnes Blatt gegen den blauen Himmel sagt mehr aus als ein ganzer Ast voller Blätter.
  3. Mal ohne Bäume – es müssen nicht immer Bäume sein. Es kann auch eine blätterübersäte Wiese sein, der Morgennebel, von einem Zaun durchbrochen…
  4. Details – so wie oben die Blattadern, ein sonnendurchleuchtetes Blatt, das auf der Wiese steht, ein Pilz von unten (wie gut, wenn man ein Klappdisplay hat, so dass man nicht auf dem Bauch liegen muss)
  5. Lichtfarbe beachten – gilt im Herbst vielleicht noch mehr als zu anderen Jahreszeiten. Der warme Ton eines Spätnachmittags ist etwas völlig anderes als ein kühler Morgenhauch über der Pferdekoppel.
  6. Gegenlicht – da die Sonne in dieser Jahreszeit eher tief steht, haben wir es besonders viel mit Gegenlichtsituationen zu tun. Die sind reizvoll, führen aber den kamerainternen Belichtungsmesser leicht in die Irre, darum die Belichtungskorrektur gern ein bis zwei Werte höher stellen
  7. Polfilter – da der Herbst auch eine feuchte Jahreszeit ist, bilden sich oft auf Blättern und anderen Flächen Reflektionen, die ein ansonsten schönes Foto ruinieren können. Ein Polfilter schafft Abhilfe, weil er Reflektionen beseitigt, wenn man ihn in die richtige Position dreht.
  8. Üben – ja, es braucht Zeit, um zu einem guten Foto zu kommen. Ein guter Eindruck, den man draußen hatte, muss nicht unbedingt ein gutes Foto ergeben, wenn man es zu Hause in der Bildbearbeitung anschaut. Darum die Empfehlung: Immer wieder mit der Kamera losziehen und verschiedenen Einstellungen ausprobieren, sowohl, was die Bildkomposition, das Licht und die technischen Einstellungen an der Kamera angeht.

Der Herbst ist ein farbenfrohes Geschenk des Schöpfers – genießen wir es!

Bildgestaltung: Formen und Muster (Shapes and Pattern)

Manchmal springen sie einem ins Auge, manchmal nicht sofort und manchmal kann man sie selber schaffen: Formen und Muster.

Manchmal muss man, wie beim nebenstehenden Bild, eine Weile hinschauen, um zu erkennen, was da eigentlich gezeigt wird (Die Halma-Männchen sind mit einer Aussage angeordnet. Schon gefunden, welche?). Es ist jedenfalls kein Sehtest, um die Tauglichkeitsprüfung für die Fahrschule zu bestehen.

Dass man bei einem Bild eine Weile hinschauen muss, ist kein Makel, sondern eher ein Vorteil. Wenn das Bild den Betrachter „hineinzieht“ und zum Verweilen bringt, spricht das für das Bild. Beispiele für wiederkehrende Muster oder anregende Formen gibt es sehr viele.

Wenn es nicht ein selbstgeschaffenes Muster ist wie im oben gezeigten Bild, könnte zum Beispiel ein veränderter Standpunkt (von oben, von unten – jedenfalls nicht die „normale“ Alltagsperspektive) die besondere Form eines Gegenstandes zutage fördern. Gehen wir mit wachen Augen durch unsere Welt und achten auf einfache Formen und wiederkehrende Muster. Wenn sie unsere Aufmerksamkeit erregen, tun sie das vielleicht auch bei anderen Menschen, die unser Foto sehen.

Bildgestaltung: Rahmen (Framing)

Wie soll man ein Motiv, das einem ins Auge fällt, darstellen? Es gibt viele Möglichkeiten zur Bildgestaltung.

Eine Frage, die man sich als Fotograf immer wieder stellt, ist: Wie soll ich das Motiv abbilden? Vieles macht man automatisch, einfach aus dem Gefühl für Raumaufteilung, Schönheit, Symmetrie usw. Manchmal muss man eine bewusste Entscheidung treffen oder zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen. Eine Herangehensweise ist zum Beispiel das sogenannte „Framing“, die Rahmenbildung. Wie auf diesem Foto zu sehen bot sich der Rahmen fast von selbst, als ich vom Fahrrad stieg und die Windmühle „Anna“ in Süderhastedt (Schleswig-Holstein) sah. Die Bäume am Straßenrand drängten einem fast den „Durchblick“ im wahrsten Sinn des Wortes auf.

Rahmen können auch durch Gebäude gebildet werden, durch Fenster, Türen… Auch ein Schlüsselloch kann einen Rahmen bilden, Fahrzeuge, Räder, Bücher im Regal und vieles andere mehr. Es lohnt sich, einmal direkt auf Motivsuche unter der Generalüberschrift „Rahmen“ zu gehen.

Pionier für digitale Fotos gestorben

Der Informatiker Russell Kirsch, Erfinder des Pixels , verstarb am 11. August im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Portland, Oregon, USA. (Aus rechtlichen Gründen kann ich leider kein Foto von ihm zeigen.)

Kirsch, jüdischer Abstammung und Sohn von Einwanderern aus Russland und Ungarn, wurde 1929 in Manhattan, New York City, geboren. Dort in New York City machte er 1946 seinen Abschluss an der Bronx High School of Science, bevor er 1950 an die New York University ging, dann an die Harvard University 1952 und das Massachusetts Institute of Technology (MIT).

1951, noch während seiner Schulzeit, trat Kirsch dem National Bureau of Standards bei. Mit der Hilfe eines Trommel-Scanners gelang es ihm mit seinem Team, zum ersten Mal ein (analoges) Foto digital mit Hilfe von eben jenen „Pixeln“ umzuwandeln. Mit dieser Erfindung legte Kirsch und sein Team den Grundstein für die Bildverarbeitung und die Erkennung von Bildmustern. Kirschs Erfindung half der NASA auch bei ihren frühesten Weltraumforschungen, einschließlich der Apollo-Mondlandungen. Ohne diese Erfindung hätten wir heute wahrscheinlich keine Digitalkameras.

Verpixeltes Bild eines Schmetterlings, das andeutet, wie es Russell Kirsch gelang, ein analoges Foto in ein digital verwertbares Bild umzuwandeln, anfangs noch schwarz-weiß bzw. nur in Graustufen.

Wer mehr über Kirschs Forschungen und seinen Versuch, von den quadratischen Pixeln wegzukommen, erfahren will, braucht nur nach ihm zu googeln.

Fotos, die ich nicht (mehr) machen würde

Blumenwiese mit Fahrradlenker

Ja, es gelingt nicht immer alles. Man hat es sich schön vorgestellt oder der Moment schien günstig – und das Ergebnis enttäuscht. Warum? Weil manche Dinge eben nicht gehen. So habe ich vor einiger Zeit aufgehört, Fotos von Familienmitgliedern während des Essen zu machen. So schön die Atmosphäre oder die Stimmung bei der Feier ist – sie ist spätestens dann vorbei, wenn man die Fotos sieht. Es ist nun mal so, dass wir beim Essen den Mund verziehen, volle Backen haben, gedanklich bei der Gräte sind, die wir mit der Zunge gerade vom „Fischfilet“ trennen müssen. Dabei entstehen oft nicht sehr schmeichelhafte Fotos. Wer will die dann noch sehen? Also mache ich sie gar nicht erst.

Ich hatte die Blumenwiese am Straßenrand während der Autofahrt nach Hause gesehen. „Tolles Motiv!“, dachte ich. Also bei nächster Gelegenheit mit Kamera und Stativ aufs Fahrrad geschwungen, die paar Kilometer hingeradelt – und mit enttäuschenden Fotos nach Hause gekommen. Warum? Ich hatte mir einen ausgesprochen windigen Tag ausgesucht. Die Blumen waren zwar alle noch da in ihrer Pracht, aber der Wind wehte sie hin und her (meistens nur hin). Auch eine kurze Belichtungszeit half nicht, den konzeptionellen Fehler zu berichtigen: Im Wind entfalten die Blumen ihre schönen Blütenblätter nicht, sondern versuchen sie vor der bewegten Luft zu schützen, indem sie sie so eng zusammenlegen wie möglich. Ja, ich weiß, es ist einfach nur Physik. Dennoch – die erwartete Farbenpracht war auf einen windigen Rest zusammengeschrumpft. Beim nächsten Mal weiß ich: Blumenwiese bei Wind lohnt sich nicht, wenn man das Bild im Kopf hat, das mich zur Radfahrt motiviert hatte.

Damit habe ich ein weiteres Motiv in meiner „Mach-ich-nicht-mehr“-Sammlung. Dennoch habe ich mehr als das gelernt bzw. wieder bestätigt bekommen: Man lernt nur, wenn man etwas tut. Wäre ich zu Hause geblieben und hätte den Versuch mit der Wiese nicht gemacht, wüsste ich jetzt nicht aus erster Hand, wie ein solcher Versuch ausgeht. Und schon das war die kleine Foto-Rad-Tour wert.

Welches ist die beste Kamera?

Spiegelung vor Pellworm
Spiegelung vor Pellworm, Schleswig-Holstein | Canon EOS M50, 1/400 sek, f/ 8.0, ISO 100, EF-M 15-45, 16mm

In diesen Wochen ist zumindest in der „oberen“ Klasse von Kameras eine Art Revolution im Gange. Der von manchen als „schlafender Riese“ bezeichnete Hersteller Canon „wacht auf“ und hält seit Monaten mit Ankündigungen die interessierte Öffentlichkeit in Spannung. Jetzt tauchen erste Fotos und Videos mit den neuen spiegellosen Vollformatern von Canon auf. Prompt meldet sich Konkurrent Sony mit der lange erwarteten A7 SIII zurück, auch LEICA meldet eine neue Kamera usw.

Aber völlig egal, welche Abbildungsschärfe und welches Rauschverhalten die neuen Kameras haben – es bleibt bei der alten Regel: Die beste Kamera ist die, die man mit hat. Und da kommt es nicht in erster Linie auf die schnelle Bildfolge oder die Zoomleistung des Objektivs an, sondern schlichtweg auf das Vorhandensein. Ich kann von der schönsten Kamera träumen oder das Technikwunder sogar besitzen – solange ich sie nicht dabei habe, werde ich kein Foto machen können.

Und natürlich braucht es auch wenig Geschick, Gespür für den Moment, Verständnis für Bildgestaltung – selbst für Fotos mit dem Handy. Denn in gewissen Grenzen halten auch Handys mit „echten“ Kameras durchaus mit – zum Leidwesen der Kamerahersteller. Für uns als Anwender bleibt der einfache Appell: Mit wachen Augen durchs Leben gehen, die wertvollen fotografisch Momente festhalten und sich dran freuen.

Schilder mit Aussage

Berühmter Straßenname in der Altstadt von Jerusalem

Manchmal muss nicht die gesamte Straße fotografiert werden, um eine bestimmte Aussage zu treffen. Manchmal genügt der Straßenname auf dem Schild. Nach der Überlieferung ist die Via Dolorosa jene Straße, die zur Zeit des Todes Jesu vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus zur Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte.

Über lange Zeit war die historische Validität von Pontius Pilatus, über den im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu in den Evangelien berichtet wird, angezweifelt worden. Erst der Fund einer Steintafel in Cäsaräa im Jahre 1961 mit einer Inschrift, die ihn namentlich erwähnt, sowie der Fund eines Siegelringes mit seinem Namen im Jahre 2018 beseitigten die Zweifel an den diesbezüglichen Angaben im Neuen Testament.

Die verschiedenen Stationen der „Via Dolorosa“ sind historisch nicht eindeutig bestimmbar., wobei zumindest der Anfang der Stecke historisch geklärt ist. Über die genaue Lage von Golgota gibt es jedoch Unsicherheiten, es werden in Jerusalem zwei mögliche Stätten gezeigt. Die berühmtere ist die mit der Grabeskirche überbaute. Auf jeden Fall musste Jesus den Weg durch Jerusalem vor seiner Kreuzigung zurücklegen, wobei er auf einem Großteil der Strecke das Kreuz selbst tragen musste. Da sich sowohl der Straßenverlauf als auch das Niveau der Stadt über die letzten 2000 Jahre stark verändert haben, muss dieser Weg mehr als Verbindung von Gedenkstätten als eine Wanderung in Jesu Fußstapfen gesehen werden. An den verschiedenen Biegungen des Weges wird mit einem solchen oder ähnlichen Straßenschild hingewiesen.

Corona ändert alles

Der Fotokurs, der noch bis Ende April hätte laufen sollen, muss wegen behördlicher Vorgaben leider abgebrochen werden. Wir werden, sobald sich die Dinge beruhigt haben, einen Terminvorschlag an die Kursteilnehmer schicken, um die noch ausstehenden Themen zu behandeln. Das wird vermutlich erst nach der Sommerpause geschehen.

Auch die Treffen der Fotogruppe für den Standort Heide sind vorerst ausgesetzt. Die Teilnehmer der Fotogruppe werden über den Newsletter informiert, wann es weitergehen kann. Wir wünschen allen Lesern, dass sie gesund bleiben und weiterhin schöne Fotos machen können.