Wetterfotos

Mancher meint, dass Sonnenschein das richtige Wetter zum Fotografieren ist. So schön ein Sonnentag ist, bieten gerade andere Wettersituationen mindestens ebenso schöne Fotomotive. So kann z.B. Regen durchaus attraktiv zu fotografieren sein, und wenn es nur ganz schlicht die Tropfen sind, die sich an der Scheibe des fahrenden Zuges nach hinten schieben.

Wandernde Regentropfen am fahrenden Zug, Canon EOS M50, 1/40 sek, f/4.5, ISA 160, 30mm

Entscheidend ist, dass man das Motiv erkennt, die Kamera zur Hand nimmt und versucht, das Bild einzufangen. Es lohnt sich allerdings auch, sich in Grenzsituationen auf den Weg zu machen. Natürlich ist die eigene Sicherheit immer das oberste Gebot und man sollte sich nicht wegen eines Fotos unnötig in Gefahr bringen. Gleiches gilt für das Equipment. Nicht alle Kameras und Objektive sind gleich gut vor Nässe geschützt. Weniger schön wirkt es sich aus, wenn der Wind Regentropfen auf die Linse weht. Daher: Auf die Windrichtung achten und Linse kontrollieren, ggf. mit Mikrofasertuch wieder trockenwischen und wenn irgend möglich bei Nässe mit dem Wind fotografieren, nicht gegen den Wind.

Das folgende Foto entstand in einer Regenpause zwischen zwei Gewitterfronten – eine vor und eine hinter mir. Der Donnerklang nach den Blitzen signalisiert, wie weit das Gewitter noch entfernt ist und hilft, die Gefahr abzuschätzen.

Gewitter am Wattenmeer, GoPro 9, 1/100 sek, f/2.5, (c) Matthias Müller

Jahreszeiten: Frühling

Kaum eine Jahreszeit, die so herbeigesehnt wird wie der Frühling. Endlich wieder Sonne, endlich wieder Grün. Und Farben. Die Natur wetteifert im Wachsen und Gedeihen. Neben den blühenden Bäumen ziehen auch immer mehr Blumen unseren Blick an.

Fotografisch gesehen sind sie nicht nur wegen ihrer Farben und Formen interessant, sondern auch, weil sie so schön stillhalten. Darum gibt es jede Menge Blumenfotos, und besonders Anfänger im Fotobereich finden dort schnell ein Betätigungsfeld. Wer schon etwas fortgeschritten ist, kann versuchen, sein Talent auf kreative Weise einzusetzen.

Dazu gehört die richtige Blendenwahl und der geeignete Bildausschnitt. Soll wirklich das ganze Blumenbeet im Bild sein oder wäre nicht eine einzelne Blüte viel wirkungsvoller, besonders, wenn man sie mit weitgehend geöffneter Blende (kleine Blendenzahl) vom Hintergrund löst?

Der erste Reflex besteht natürlich darin, eine Blume so zu fotografieren, wie man sie immer sieht: von oben mit geöffnetem Blütenkelch. Allerdings ist klar, dass dieser „übliche“ Blickwinkel auch der langweiligste sein kann (je nach Blüte aber nicht sein muss!). Dennoch sollte man versuchen, auch einmal andere Blickwinkel einzunehmen. Zum Beispiel kann es durchaus eine interessante Perspektive sein, einmal Blumen von unten quasi aus der Froschperspektive gegen den Himmel zu fotografieren, siehe nachstehendes Beispiel:

Rudbeckia fulgida – Olympus E-3, 1/250 sek, f/16, -0,7 Bel.korr., 14mm, ISO 200

Apropos Himmel: Bei einem Blumenfoto aus der Froschperspektive macht sich blauer Himmel natürlich schön. Grundsätzlich aber sollte man nicht denken, dass nur bei Sonnenschein gut fotografieren ist. Besonders wenn es um leuchtende Farben geht, ist eine gleichmäßige Bewölkung eher von Vorteil, denn sie wirkt wie ein Diffusor vor einer künstlichen Lampe, sorgt für gleichmäßiges Licht, das die Farben besonders hervortreten lässt.

Kann Ihre Kamera Doppel- bzw. Mehrfachbelichtungen? Dann wäre auch das einmal ein interessanter Versuch, eine Blüte zunächst einzeln und dann noch einmal in dasselbe Foto im Blütenverbund hineinzufotografieren, wie ich es im folgenden Foto einmal exemplarisch an einem schon verblühenden Tulpenbaum illustriert habe. Auch hier gilt: Probieren geht über Studieren!

Magnolie – Canon EOS R5, 1/320 sek, f/5.6, 50mm, ISO 100, Doppelbelichtung

Bildkomposition intuitiv

Für die Bildkomposition gibt es verschiedene Regeln, z.B. die sog. Drittel-Regel oder die Vermeidung falscher Tangenten usw. Aber mit der Kamera in der Hand und dem Finger auf dem Auslöser geht sicher kaum jemand alle möglichen Regeln durch, bevor er oder sie das Foto schießt. Die Gefahr wäre auch, dass, wenn alle immer alle Regeln befolgen würden, schlussendlich alle Bilder gleich aussähen.

Vielmehr ist es zwar gut, die Regeln irgendwo im Hinterkopf zu haben, aber dennoch intuitiv zu fotografieren. Dazu gehört zunächst, dass man sich nicht ausschließlich von dem Element bestimmen lässt, das einen zuerst angezogen hat, um das Foto zu machen, sondern alles einzubeziehen, was man sieht. Als Nächstes wäre zu empfehlen, die Augen einmal zusammenzukneifen, also zu blinzeln. Was sticht jetzt noch an Elementen hervor, was drängt sich im Blickfeld auf? Diese Dinge werden auch auf dem Foto zu sehen sein und vielleicht sogar mit meinem Hauptelement konkurrieren. Müsste ich daher meine Komposition anpassen, z.B. den Ausschnitt anders wählen, näher herangehen, den Betrachtungswinkel ändern?

Der Blinzel-Effekt kann zumindest bei ruhenden Motiven hilfreich sein. Wenn es um schnelle Bewegungen geht, sieht die Sache vielleicht schon wieder anders aus. Und manchmal kann man auch im Nachgang durch Beschneiden des Fotos Dinge korrigieren, die man am Anfang übersehen hat, oder wie im Foto unten, es die Brennweite nicht zuließ, dichter heranzukommen.

Canon R5, 1/20 sek., f/32, 200 mm, ISO 100 (Bildausschnitt)

Wolkenkuckucksheim

Bei aller Schönheit und allen interessanten Motiven, die man beim Spaziergang, Ausflug oder auf einer Dienstreise findet, lohnt sich doch auch gelegentlich der Blick nach oben. Je nach Wetter beschert uns der Himmel mitunter dramatische, beeindruckende Phänomene aus gasförmigem Wasser, die wir Wolken nennen.

Dieser wechselnde Aggregatzustand des Wassers ist schon ein Wunder an sich, denn vor kurzem noch drohte das Restwasser in gefrorenem Zustand meine Regentonne zu sprengen, jetzt hingegen schwebt es federleicht am Himmel oder wirft mit Graupelkörnern nach mir. Kurz: Es lohnt sich, auch die Wolken mit in den Fokus zu nehmen, wobei es oft nützlich ist, auch den Vordergrund mit einzubeziehen, entweder als weite Fläche wie in dem Foto oben (St. Peter Ording) oder auch Bäume, Berge, Häuser, die helfen die gewaltigen Himmelsdimensionen zu illustrieren. Viel Spaß also beim Blick nach oben!

Die Masse macht’s

So schön es ist, sich bei einem Foto auf ein Element zu konzentrieren, das die volle Aufmerksamkeit verdient, kann auch gerade das Gegenteil reizvoll sein. Viele Motive bieten sich dafür an. Es kann die mit Blüten übersäte Frühlingswiese sein, aber auch die dichtstehenden Windräder oder der auffliegende Schwarm von Weißwangengänsen, wie in den beiden Fotos unten zu sehen. Man muss es nur schaffen, das Ganze einigermaßen einzufangen, denn auch hier gilt: unser menschliches Auge ist durch die Zusammenarbeit mit dem Gehirn in der Lage, das Bild viel umfänglicher zu erfassen als die Linse unserer Kamera. Darum sind wir manchmal enttäuscht, wenn wir Fotos von Situationen anschauen, die wir miterlebt und ganz anders in Erinnerung hatten.

Insofern ist es gerade bei solchen Motiven wichtig, wenigstens ab und zu einen Kontrollblick auf das Display zu werfen, um zu sehen, ob wir mit dem Foto unserer subjektiven Wahrnehmung wenigstens einigermaßen nahekommen.

Auf den Standpunkt kommt es an

Was man im Englischen mit POV abkürzt und für „Point of View“ steht, passt gut zu einem Merksatz des amerikanischen Fotopioniers Ansel Adams, der meinte: „Ein gutes Foto heißt wissen, wo man stehen soll.“ Genau. Es geht um den Standpunkt, dieses Mal nicht um den ethischen, moralischen oder weltanschauungsmäßigen, sondern den rein physikalischen beim Fotografieren.

Die Empfehlung lautet, bei der Fotopirsch nicht nur einen Standpunkt einzunehmen – nämlich den, der einem zuerst in den Sinn kommt –, sondern durchaus (wenn möglich) sich ein wenig Zeit zu nehmen und das entdeckte Motiv aus verschiedenen Blickwinkeln abzulichten. Das zeigt das Wort „Perspektivwechsel“ seine wörtliche Bedeutung. Die Ansicht, dass ein guter Fotograf auf den ersten Blick sieht, wie man ein Motiv am besten einfängt, ist irrig und macht unnötig Druck.

Der Vorteil digitaler Fotografie ist, dass man unbeschadet mehrere Fotos machen kann, ohne an Film- und Entwicklungskosten zu denken, wie das früher der Fall war, als es pro Film nur 36 Bilder gab. Oft genug kann man erst zu Hause am Bildschirm entscheiden, welche der verschiedenen Kamerapositionen die beste Wahl war.

Bei einem Waldspaziergang stieß ich auf eine alte Holzbank, die kaum noch jemand benutzen kann, nicht nur wegen der Dornen, die den Weg versperrten, sondern auch wegen ihrer augenscheinlichen Gebrechlichkeit. Hier sind vier „Standpunkte“, von denen aus ich versucht habe, die Bank abzubilden. Welches Bild ist mein Favorit? (Es muss nicht unbedingt das größte sein…)

Oder wie wäre es mit diesem Feld voller Klatschmohn?

Bildgestaltung: Farben

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen – Fotos und Farbe. Und doch ist es nicht unbedingt für jeden offenkundig, dass auch das Thema „Farben“ zur aktiven Bildgestaltung gehört. Das kann sowohl die Zusammenstellung zueinander passender Farben sein als auch die bewusste Entscheidung für eine Farbwahl überhaupt.

Farben lösen bei Menschen Emotionen aus. Helle Farben ziehen den Blick an, rufen nach Aufmerksamkeit. Aber auch gedeckte Farben rufen Reaktionen hervor und können selbst in der quasi „Abwesenheit“ von Farbe – monochrom – eine starke Aussage treffen.

Farben werden nicht nur durch das fotografierte Objekt einfach in die Komposition eingebracht, sondern können vom Fotografen beeinflusst werden, z.B. durch die Entscheidung, um welche Uhrzeit im Freien fotografiert wird, wie man den Weißabgleich setzt oder welchen Bildstil man wählt.

Nachstehend einige Beispiele für Farbaussagen in Fotos (alle (c) mm).

Bildgestaltung: Rahmen füllen

Wenn der Bildbetrachter mit zu vielen Details auf einem Foto zu kämpfen hat, wird keine klare Aussage übermittelt – es sei denn, es ist Absicht wie bei einem Wimmelbild, wo gezielt eine Masse von Informationen einbezogen wird, um die Fülle zu demonstrieren oder Freude am Suchen auszulösen.

Eine Möglichkeit für eine klare Bildaussage ist, den Bildrahmen mit dem Motiv vollständig zu füllen. Dafür muss man entweder nah herangehen oder eine lange Brennweite nutzen (siehe Beispiel unten). Auch wenn Randbereiche des Motivs interessant wären – man muss sich auf einen Kern beschränken. Gerade das macht die Stärke dieser Art Bildgestaltung aus. Und wenn es einem nicht schon beim Fotografieren in den Sinn gekommen ist, dann kann man in der Nachbearbeitung mit der Auswahl eines Bildausschnittes doch noch zum Ziel kommen, vorausgesetzt, die Schärfe stimmt und die Auflösung ist hoch genug.

Freilaufender Hahn Nähe Kronenloch Meldorf | Canon EOS R5, 1/500 sek, f/11, 800mm, ISO 640, Bildausschnitt (Foto: mm)

Bildgestaltung: Formen (shapes)

Geometrische Formen kennen wir von Kindesbeinen an. Sehr bald lernen wir, einen Kreis von einem Viereck, ein Dreieck von einem Quadrat zu unterscheiden. Dann kommt das Ganze noch in 3D dazu, also eine Kugel ist etwas anderes als ein Würfel. Klar.

Vielleicht ist dieses frühe Wissen auch der Grund, warum uns solche Formen immer noch ansprechen und unser Interesse auf sich lenken. Jedenfalls findert das wache Fotografenauge – besonders in dieser Zeit – immer wieder geeignete Gelegenheiten, sich bei der Bildgestaltung auf solche Formen zu beziehen.

Dabei ist besonders das Fotografieren von Kugeln am Weihnachtsbaum tückisch, weil die Kugeln nun mal Eigenschaften haben, die denen von Fischaugen-Linsen ähneln, d.h. einen weiten Horizont haben. Und da die (ungeschriebene) Regel gilt, dass der Fotograf möglichst nicht auf seinem Foto zu sehen sein soll, wird das bei einer Kugel eine echte Herausforderung, wie auch mein Beispiel zeigt.

Weihnachtskugel als Beispiel für eine runde Form als Attraktion. Wo ist der Fotograf? (Foto: mm)

Um sich interessante Formen nutzbar zu machen, lohnt es sich auch bei diesem Aspekt der Bildgestaltung, die Perspektive zu wechseln und den normalen Alltagsblickwinkel zu verlassen, wie das nachstehende Foto zeigt.

Neue Perspektive, sogar mit plattem Reifen (Foto: mm)

Dass dieses Bild in schwarz-weiß angeboten wird, hebt die Form an dieser Stelle hervor, weil Ablenkungen durch Farbelemente unterbunden werden. Dass der Reifen platt ist, sieht mancher erst auf den zweiten Blick. Schadet oder hilft das dem Foto?

Bildgestaltung: Linien und Kurven (Lines and Curves)

Brooklynbridge
Blick von der Brooklyn-Bridge zur Manhattan-Bridge

Ein weiteres Element, das Bilder gestalten hilft, sind Linien und ihre „Abkömmlinge“, die Kurven . Im Beispiel oben sind es die Verspannungen an der Brooklyn-Bridge und das Tragegerüst für die Autostraße, die unter dem Fußgängerweg über das Wasser führt. In diesem Beispiel sind es einfach übereinandergelegte Linien, die den Blick auf sich ziehen.

Hier sprechen die Linien als Designelement des Tunnels eine deutliche Sprache und weisen dem Betrachter den Weg für seinen Blick.

Brooklyn-Bridge

In diesem Foto sind Linien und Kurven kombiniert und leiten den Blick des Betrachters. Wenn man also mit der Kamera unterwegs ist, lohnt immer auch, das Augenmerk auf vorhandene Linien und Bögen zu legen, weil sie von sich aus dem Bild ganz natürlich Struktur geben. Mit einem kleinen Schritt nach links wäre auch noch Symmetrie bei diesem Bild gelungen.