Sehen als Teil des Fotografierens (1)

Es ist eine Seite des Fotografierens, seine Kamera soweit zu beherrschen, dass sie tut, was sie soll. Idealerweise muss man nicht lange überlegen, um die Einstellungen zu finden, die man für die jeweilige Situation braucht. Das ist besonders bei Leuten wichtig, die Fotografie nicht professionell, sondern als Hobby betreiben. Denn gerade hier kommt es häufiger vor, dass man sich immer wieder in wechselnden Situationen befindet.

Aber das ist nur „die halbe Miete“. Mindestens ebenso wichtig ist das Sehen. Das sogenannte „fotografische Auge“ meint nicht, etwas blitzschnell zu erfassen, sondern (in Ruhe) die Gesamtsituation zu erfassen und dann zu entscheiden, welche Aussage ich durch mein Foto transportieren möchte. Nehmen wir das folgende Bild als erstes Beispiel:

Was ist zu sehen? Das Schild „Fußgängerzone“ springt ins Auge. Aber ist das alles? Welche Jahreszeit ist es (rechter Bildrand!)? Zu welcher Uhrzeit ist das Foto entstanden (Schatten sind lang!)? In welchem Jahr (Maskenpflicht in der Fußgängerzone!)? Wie wirkt die Kombination aus Fußgängerzonen-Schild und dem Schild für Maskenpflicht? usw.

Nun kann man besser entscheiden, was die Bildaussage werden soll. Noch ein Beispiel für bewusstes Sehen findet sich im nächsten Bild:

Das Bild wird natürlich vom Apothekensymbol dominiert. Nur wer aufmerksam hinschaut, sieht auch das Straßenschild – und erkennt auch noch den Witz an der ganzen Sache.

Fortsetzung folgt.