Sehen als Teil des Fotografierens (3)

Unser Auge ist der perfekte Partner für unser Gehirn. Die beiden sind auf höchste Performance programmiert. Ihr perfektes Funktionieren kann schließlich das Leben retten! Alles, was nicht unbedingt benötigt wird, wird ausgeblendet. Warum das Gehirn mit Informationen bombardieren, wenn sich nichts bewegt? Aber sobald sich etwas in unserem Gesichtsfeld verändert, reagiert unser Sehapparat.

All diese und viel mehr Eigenschaften sind toll, aber für das Fotografieren, das ja eine künstlerische Aktivität ist, müssen wir unser Sehen von der Effizienz hin zum eingehenden Betrachten „umschulen“. Das bedeutet, wir müssen uns etwas mehr Zeit nehmen, um das Besondere einer Situation zu erfassen. Nicht jedes tolle Fotomotiv erschließt sich auf den ersten Blick. Man braucht Zeit, um eine Szene auf sich wirken zu lassen und sich dann vielleicht für ein Detail zu entscheiden, das man herausheben möchte. In der Ruhe liegt die Kraft. Gerade beim Fotografieren in der Gruppe, wo alle im Prinzip die gleiche Umgebung vor sich haben, wird manchmal deutlich, dass der eine etwas gesehen hat, was der andere gar nicht wahrgenommen hat. Dabei waren alle im gleichen Umfeld unterwegs. Es ist eine Frage der Übung und des Sich-Einlassens auf einen Raum oder ein Umfeld. Manchmal gibt es sogar erheiternde Situationen.

Zwei Fotos sollen als Beispiel dienen. (Fotos: (c) Matthias Müller)

Warten am Flughafen – und doch mit Aussage | Canon 7D, EF-S 17-55 f/2.8 IS USM, 1/160 sek,, f/6.3, ISO 100
Spaßvogel | Canon EOS 7D, EF 70-200 f/2.8 IS USM, 1/320 sek., f/22, ISO 640