Wieso bedeutet eine hohe Blendenzahl eine kleine Blendenöffnung?

Beschriftung auf einem Canon Zoom Objektiv

Eine der Einstellungen, die man an seiner Kamera vornehmen kann, ist die Blende. Das Wort mag daher kommen, dass man das Objektiv gewissermaßen „abblendet“, um den Lichteinfall zu bestimmen, der auf den Sensor trifft. Auf einem Objektiv steht z.B. als Blendenwert 1:2.0. Wenn kein weiterer Wert hingefügt wird wie z.B. bei einem anderen Objektiv, wo steht 1:3.5-6.3, dann weiß man, dass dieses Objektiv eine sog. Festbrennweite hat und mit Blende 2.0 arbeitet. Das andere Objektiv ist ein sog. Zoom-Objektiv, kann also die Brennweite so verändern, dass Gegenstände optisch „herangeholt“ werden. Dieses Objektiv hat je nach Brennweiteneinstellung eine Blende von 3.5 in der Naheinstellung und maximal 6.3 in der Tele-Einstellung. Es gibt höherwertige Zoomobjektive, bei denen sich die meist niedrige Blende nicht verändert, selbst man man die Teleeinstellung wählt.

Nun ist es so, dass bei Blende 2.0 die Lamellen im Objektiv, die das Abblenden bewirken, die größte Öffnung freigeben, während bei Blende 16 nur ein kleines Loch für das Licht gelassen wird. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, erklärt sich aber so:

Stellen wir uns ein Objektiv mit Brennweite 50 mm und Blende 2.8 vor. Die „2.8“ ist in Wahrheit Teil einer mathematischen Divisionsaufgabe, eines Bruches (engl. fraction), der vollständig so dargestellt werden müsste: 50 mm/2.8. Das Ergebnis dieser Divisionsaufgabe wäre 17,86 mm. Das bedeutet, dieses Objektiv hätte bei einer Blende von 2.8 eine Öffnung für das Licht von 17,86 mm. Verändere ich jetzt die Blende zu Blende 16, ergibt sich eine veränderte Aufgabe, nämlich 50 mm/16. Ergebnis Blendenöffnung 3,13 mm. (Oft wird die Blende mit z.B. f/8.0 beschrieben, wobei das „f“ für das englische „fraction“ (Bruch) steht.

Kleine Blendenzahl – große Blendenöffnung, und umgekehrt

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass mit einer kleinen Blendenzahl eine große Blendenöffnung einhergeht und mit einer großen Blendenzahl eine kleine Blendenöffnung. Die Öffnung der Blende beeinflusst, welche Bereiche meines Bildes in der Tiefe scharf werden. Bei Blende 2.0 habe ich nur wenig Schärfe in der Tiefe (heißt Tiefenschärfe, manche sagen auch Schärfentiefe), bei Blende 16 sehr viel. Beides kann sinnvoll sein, je nachdem, was für ein Motiv ich ablichte.

Nächster Treff für die Fotogruppe 2020

Der nächste Treff für die offene Fotogruppe findet am 22. Januar 2020 statt, wie immer in den Räumlichkeiten der Adventgemeinde Heide, Rüsdorfer Straße 19, Beginn 19:00 Uhr. Wer möchte, kann zwei Fotos seiner Wahl, die nicht älter als acht Wochen sein dürfen, zu Auswertung mitbringen. Eins davon sollte sich wegen der runden Jahreszahl 2020 mit dem Thema „rund“ beschäftigen. Das ist doch mal eine Aufgabe! 🙂 Neueinsteiger sind willkommen.

Aller Voraussicht nach wird am 29. Januar auch ein neuer Fotokurs starten.

Heute schon geblitzt? (2)

Blitzen bei hellem Sonnenlicht? Welchen Sinn soll das haben?

Die Antwort ist einfach: Man kann mit einem Aufhellblitz einen Gegenstand oder eine Person auch im vollen Gegenlicht sichtbar machen bzw. ausleuchten. Der Vorteil bei Personenfotos: Sie müssen nicht gegen die Sonne blinzeln. Daher kann man, wenn es denn einmal nötig sein sollte, auch zu ungünstigen Tageszeiten wie um die Mittagszeit immer noch Personenfotos machen, ohne dass alle mit verkniffenen Augen in Richtung Kamera schauen, weil sie zugleich in Richtung Sonne blicken müssen. Wie das Blinzeln vermeiden? Man stellt die Menschen so, dass sie die Sonne im Rücken haben! Aber: Ohne Blitz wären die Gesichter im Schatten. Kleines Indoor-Beispiel:

Das erste Foto ist ohne Blitz aufgenommen, aber mit einer kräftigen LED-Leuchte als Sonnenersatz hinterleuchtet. Wenn die Pomelo eine Person wäre, könnte man das Gesicht nicht gut erkennen. Das Licht hinter der Frucht macht die Konturen erkennbar, mehr aber nicht. Das wäre mit einer Situation vergleichbar, wo jemand im völligen Gegenlicht steht, d.h. die Sonne hinter sich hat.

Pomelo im Gegenlicht
Canon EOS M 50, 1/160 sek, f 4.5, ISO 100, ohne Blitz

Das erste Foto ist ohne Blitz aufgenommen, aber mit einer kräftigen LED-Leuchte hinterleuchtet. Wenn die Pomelo eine Person wäre, könnte man das Gesicht nicht gut erkennen. Das Licht hinter der Frucht macht die Konturen erkennbar, mehr aber nicht. Das wäre mit einer Situation vergleichbar, wo jemand im völligen Gegenlicht steht, d.h. die Sonne hinter sich hat.

Pomelo mit Gesicht aufgemalt
Canon EOS M 50, 1/160 sek, f 4.5, ISO 100, mit Einbaublitz auf E-TTL, gedämpft auf -1 2/3

Für das zweite Foto wurde der Einbaublitz der kleinen EOS M 50 hinzugeschaltet, allerdings die Leuchtstärke des Blitzes auf 1 2/3 abgesenkt. Dadurch ist jetzt das „Gesicht“ gut zu erkennen und man hat außerdem durch die Hinterleuchtung auch noch Tiefe im Bild gewonnen.