Bildgestaltung: Formen (shapes)

Geometrische Formen kennen wir von Kindesbeinen an. Sehr bald lernen wir, einen Kreis von einem Viereck, ein Dreieck von einem Quadrat zu unterscheiden. Dann kommt das Ganze noch in 3D dazu, also eine Kugel ist etwas anderes als ein Würfel. Klar.

Vielleicht ist dieses frühe Wissen auch der Grund, warum uns solche Formen immer noch ansprechen und unser Interesse auf sich lenken. Jedenfalls findert das wache Fotografenauge – besonders in dieser Zeit – immer wieder geeignete Gelegenheiten, sich bei der Bildgestaltung auf solche Formen zu beziehen.

Dabei ist besonders das Fotografieren von Kugeln am Weihnachtsbaum tückisch, weil die Kugeln nun mal Eigenschaften haben, die denen von Fischaugen-Linsen ähneln, d.h. einen weiten Horizont haben. Und da die (ungeschriebene) Regel gilt, dass der Fotograf möglichst nicht auf seinem Foto zu sehen sein soll, wird das bei einer Kugel eine echte Herausforderung, wie auch mein Beispiel zeigt.

Weihnachtskugel als Beispiel für eine runde Form als Attraktion. Wo ist der Fotograf? (Foto: mm)

Um sich interessante Formen nutzbar zu machen, lohnt es sich auch bei diesem Aspekt der Bildgestaltung, die Perspektive zu wechseln und den normalen Alltagsblickwinkel zu verlassen, wie das nachstehende Foto zeigt.

Neue Perspektive, sogar mit plattem Reifen (Foto: mm)

Dass dieses Bild in schwarz-weiß angeboten wird, hebt die Form an dieser Stelle hervor, weil Ablenkungen durch Farbelemente unterbunden werden. Dass der Reifen platt ist, sieht mancher erst auf den zweiten Blick. Schadet oder hilft das dem Foto?

Bildgestaltung: Formen und Muster (Shapes and Pattern)

Manchmal springen sie einem ins Auge, manchmal nicht sofort und manchmal kann man sie selber schaffen: Formen und Muster.

Manchmal muss man, wie beim nebenstehenden Bild, eine Weile hinschauen, um zu erkennen, was da eigentlich gezeigt wird (Die Halma-Männchen sind mit einer Aussage angeordnet. Schon gefunden, welche?). Es ist jedenfalls kein Sehtest, um die Tauglichkeitsprüfung für die Fahrschule zu bestehen.

Dass man bei einem Bild eine Weile hinschauen muss, ist kein Makel, sondern eher ein Vorteil. Wenn das Bild den Betrachter „hineinzieht“ und zum Verweilen bringt, spricht das für das Bild. Beispiele für wiederkehrende Muster oder anregende Formen gibt es sehr viele.

Wenn es nicht ein selbstgeschaffenes Muster ist wie im oben gezeigten Bild, könnte zum Beispiel ein veränderter Standpunkt (von oben, von unten – jedenfalls nicht die „normale“ Alltagsperspektive) die besondere Form eines Gegenstandes zutage fördern. Gehen wir mit wachen Augen durch unsere Welt und achten auf einfache Formen und wiederkehrende Muster. Wenn sie unsere Aufmerksamkeit erregen, tun sie das vielleicht auch bei anderen Menschen, die unser Foto sehen.