Kostenloser Fotokurs in Heide läuft, kein Einstieg mehr möglich!

Wofür sind all die Knöpfe an der Kamera da? Wie gelingen gute Fotos? Fotografieren statt Knipsen! Fotojournalist Matthias Müller will Besitzern einer digitalen System- oder Spiegelreflexkamera helfen, ihr kreatives Potenzial zu entdecken. Die Technik soll dabei nicht im Wege stehen, sondern unterstützen.

An fünf Abenden erklärt Müller die typischen Funktionen einer modernen Kamera und führt in die Bildgestaltung ein. Fragen sind willkommen. Das Kursniveau wird den Teilnehmern angepasst. Eine Einführung in digitale Bildbearbeitung bildet den Abschluss des Kurses.

Der Kurs läuft vom 6. Oktober bis 1. Dezember 2022, Beginn ist jeweils 19:30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos und die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Die genauen Termine: 6. Oktober | 20. Oktober | 3. November | 17. November | 1. Dezember 2022 – jeweils 19:30 Uhr.

Bitte Kamera, Bedienungsanleitung und ggf. Ersatzakku mitbringen.

Der Kurs findet in den Räumen der Adventgemeinde Heide, Rüsdorfer Str. 19, 25746 Heide, statt.

New Yorker Taxi fährt an roten Tulpen vorbei

Gelegenheit macht … Fotos!

Es gilt immer noch die alte Regel: Es ist die Kamera die beste, die man dabeihat. Heutzutage ist das oft das Handy – man hat es ja eh in der Tasche. Aber das Handy hat arge Grenzen, wenn es über den normalen Schnappschuss hinausgeht.

Neulich hatte ich es gut und ein Sperling sehr schlecht: Eine ganze Sperlingsschar versammelte sich an unserem Futterplatz, den wir auch über den Sommer hin mit einer begrenzten Menge Futter versehen. (Wir merken deutlich, dass es zu wenig Insekten gibt. Die Amseln, die ebenfalls als regelmäßige Besucher kamen, brachten teils sogar ihre Jungen mit, um sie zu versorgen.) In Sekundenschnelle schoss an diesem Tag ein Sperber heran und erwischte einen Sperling. Um den armen kleinen braunen Federball war es geschehen. Man konnte nichts mehr für ihn tun und muss der Natur, so grausam sie manchmal ist, ohnehin ihren Lauf lassen.

Der Sperber ließ sich zum Glück so viel Zeit, dass ich rasch mein langes Teleobjektiv an die Kamera ansetzen konnte. Das erlaubte mir, ein Foto zu machen, das ich mit dem Handy nie und nimmer in der Qualität hinbekommen hätte. Also: Es ist immer gut, die Kamera griffbereit zu haben.

Sperber hat Sperling gefangen
Ein Sperber hat einen Sperling gefangen | Foto: mm | Canon EOS R5, 1/100 sek, f/11, ISO 640, RF 800mm IS STM

Perspektivwechsel

Luftaufnahme
Anflug auf Amsterdam, Foto: M. Müller | iphone SE, 2. Gen., 1/1250 sek., f 1.8, ISO 20

Eine der bekanntesten Strategien, um Fotos interessant zu machen, ist der Perspektivwechsel. Gemeint ist damit, dass man als Fotograf den normalen, alltäglichen Blickwinkel eines Erwachsenen auf die Umwelt aus der Höhe von rund 1,70m verlässt und bewusst eine andere Höhe – weiter oben oder weiter unten – einnimmt. Übliche Begriffe sind „Frosch- oder Vogel-Perspektive“.

Man kann es auch anders deuten: Wie sieht ein Kind die Welt? Wie sehen die Dinge aus dem Blickwinkel eines Hundes aus? (Foto siehe unten) Mit technischen Hilfsmitteln, wie z.B. einer Drohne, kann man die Perspektive eines Vogels einnehmen. Bei einem Flug mit einer Passagiermaschine kann man zu einem ähnlichen Ergebnis kommen (siehe Foto oben), vorausgesetzt, man hat einen Fensterplatz und das Fenster ist einigermaßen sauber und arm an Kratzern, was leider, wie auch bei Fensterscheiben der Bahn, nicht immer der Fall ist.

Unter dem Strich bedeutet es für die Fotografierpraxis, bewusst andere, ungewohnte Perspektiven mit in sein „Portfolio“ aufzunehmen und wenn man Gelegenheit hat, auch die Verkehrsmittel zu nutzen, um zu ungewohnten Fotos zu kommen. Alles, was vom „normalen“ Rahmen abweicht, interessiert uns Menschen und lädt zum Nachdenken ein.

Fuß des Gateway Arch
Der berühmte Gateway Arch, Wahrzeichen von St. Louis, MO, USA, Foto: M. Müller |
Canon EOS R5., 1/1000 sek., f /7.1, ISO 100, EF 24-70mm, f/4 L IS USM, 24mm

Zur Größeneinordnung kann dieses Foto dienen, das einen „Fuß“ des Bogens mit Menschen davor zeigt, im Hintergrund der Mississippi.

Ein „Fußende“ des Gateway Arch in St. Louis, MO, USA, mit dem Mississippi im Hintergrund, Foto: M. Müller | Canon EOS R5, 1/800 sek., f/7.1, ISO 100, EF 24-70mm, f/4 L IS USM, 24mm

Fotografieren und psychische Gesundheit

Das ist vielleicht ein überraschender Aspekt des Fotografierens, den man bei all den Einstellungen an der Kamera, der Wahl der richtigen Linse oder der Blitzeinstellungen gar nicht auf dem Schirm hat. Der ehemalige Reuters-Fotograf und Bildredakteur der „Times“, Paul Sanders, hat sich neulich in einem Interview mit „Digital Camera World“ dazu geäußert. Nachstehend greife ich einige Gedanken von ihm auf.

Wolkentürme über Marne, SH, (iPhone SE, 2nd Generation, Back Camera)

Sanders verweist besonders auf eine achtsame Herangehensweise an das Fotografieren. Um zum Beispiel gute Landschaftsfotografien zu machen, braucht es ein gewisses Maß an Ruhe. Der schnelle Schnappschuss tut es nicht. Man muss sich die Zeit lassen, wirklich an dem Ort, um den es geht, innerlich anzukommen. Im Grund muss man sich selbst erlauben, innezuhalten. Paul Sanders: „Es geht darum, jeden einzelnen Sinn, den man hat, zuzulassen und präsent zu sein. Dabei geht es nicht um die Kamera. Es geht auch nicht um die Ausrüstung, die man benutzt. Es geht am Anfang nicht einmal um die Komposition. Es geht darum, sich zu erlauben, einfach an einem Ort zu sitzen oder zu stehen, den Wind zu spüren, das Gras oder die Blätter oder das Meer zu riechen, die Beschaffenheit des Bodens zu fühlen.“

Man nimmt, so Sanders sinngemäß, die Fotos einfach nur für sich auf, um sich mit dem auszudrücken, was man empfunden hat, nicht mit dem Gedanken: Was werden die anderen sagen? Oder: Was kann ich mit dem Foto erreichen? Weiter schildert er: „Es geht um all diese Dinge, die das Bewusstsein schärfen, und durch die Schärfung des Bewusstseins beginnt man, die Landschaft auf eine Weise zu sehen, die sie zu mehr als nur einem schönen Bild macht.“ Und das gilt nicht nur für Landschaften. Auch in geschäftigen Städten gilt das gleiche Prinzip: Erst mal ankommen, die Stadt gewissermaßen „einatmen“, sie mit allen Sinnen wahrnehmen, und dann erst im fotografischen Sinn „aufnehmen“.

Weil man auf diese Weise, wenn man sich einmal die Zeit nimmt, ganz anders mit sich und seiner Umwelt in Kontakt kommt, kann Stress abfallen und man kann anfangen, sich auf seine ganz eigene, persönliche Weise auszudrücken – per Foto. Dann wird Fotografie, wie viele andere kreative Künste auch, ein Beitrag zur psychischen Gesundheit.

Durch dieses fast meditative Ankommen an einem Ort spüren wir vielleicht auch stärker, dass wir Menschen nur ein Teil der Schöpfung sind, in die wir uns einbetten können. Jeder hat sicher schon erlebt, dass die Seele aufatmet, wenn wir im Freien frische Luft atmen, gewaltige, von der Abendsonne beleuchtete Wolkenberge sehen und die ganz eigenen Geräusche der Natur wahrnehmen. Wir sind geschaffen, betten uns ein in unser Schöpfungs-Zuhause auf dieser Welt, und wer kann, richtet einen dankbaren Blick „nach oben“. Auch das ist ein Beitrag zu psychischer Gesundheit.

Nicht immer stillhalten

Üblicherweise hält man seine Kamera während des Fotografierens still. Manchmal sogar so still, dass man sie nicht nur auf ein Stativ setzt, sondern zusätzlich noch die 2-Sekunden-Spiegelvorauslösung einschaltet oder einen Fernauslöser per Draht oder App benutzt, um selbst die geringste Erschütterung zu vermeiden, die das Schärfeergebnis trüben könnte.

Es geht aber auch andersherum: Die Kamera während des Fotografierens bewusst bewegen! Im nachfolgenden Beispiel wurde nicht die Kamera insgesamt, sondern nur das Zoom-Objektiv bewegt. Allerdings wird mir der Abend in New York, an dem ich die beiden Fotos gemacht habe, immer in schmerzlicher Erinnerung bleiben. Am Zielort angekommen, musste ich feststellen, dass ich aus unerfindlichen Gründen zwar das Stativ und die Kamera mitgenommen hatte, aber die Stativplatte im Quartier liegengeblieben war. Nie wieder passiert mir das! Der Weg zurück war zu weit, also musste ich irgendwie improvisieren. Darum sind die Fotos nicht das, was sie sein könnten, reichen aber als Demo für diesen Zweck aus.

Es kommt bei solch einem „explosiven“ Foto darauf an, die geeignete Belichtungszeit mit einer raschen Drehbewegung am Zoom-Objektiv zu kombinieren. Für solche Fotos eignen sich stillstehende Objekte logischerweise am besten. Beide Fotos wurden mit denselben Einstellungen vorgenommen: Canon 7D, 0,5 sek, f/5.6, ISO 1600, EF-S 17-55, 2.8, IS USM

Sehen als Teil des Fotografierens (3)

Unser Auge ist der perfekte Partner für unser Gehirn. Die beiden sind auf höchste Performance programmiert. Ihr perfektes Funktionieren kann schließlich das Leben retten! Alles, was nicht unbedingt benötigt wird, wird ausgeblendet. Warum das Gehirn mit Informationen bombardieren, wenn sich nichts bewegt? Aber sobald sich etwas in unserem Gesichtsfeld verändert, reagiert unser Sehapparat.

All diese und viel mehr Eigenschaften sind toll, aber für das Fotografieren, das ja eine künstlerische Aktivität ist, müssen wir unser Sehen von der Effizienz hin zum eingehenden Betrachten „umschulen“. Das bedeutet, wir müssen uns etwas mehr Zeit nehmen, um das Besondere einer Situation zu erfassen. Nicht jedes tolle Fotomotiv erschließt sich auf den ersten Blick. Man braucht Zeit, um eine Szene auf sich wirken zu lassen und sich dann vielleicht für ein Detail zu entscheiden, das man herausheben möchte. In der Ruhe liegt die Kraft. Gerade beim Fotografieren in der Gruppe, wo alle im Prinzip die gleiche Umgebung vor sich haben, wird manchmal deutlich, dass der eine etwas gesehen hat, was der andere gar nicht wahrgenommen hat. Dabei waren alle im gleichen Umfeld unterwegs. Es ist eine Frage der Übung und des Sich-Einlassens auf einen Raum oder ein Umfeld. Manchmal gibt es sogar erheiternde Situationen.

Zwei Fotos sollen als Beispiel dienen. (Fotos: (c) Matthias Müller)

Warten am Flughafen – und doch mit Aussage | Canon 7D, EF-S 17-55 f/2.8 IS USM, 1/160 sek,, f/6.3, ISO 100
Spaßvogel | Canon EOS 7D, EF 70-200 f/2.8 IS USM, 1/320 sek., f/22, ISO 640

Sehen als Teil des Fotografierens (2)

Bei den verschiedenen Begegnungen in unserer Fotogruppe und dem Austausch über die verschiedenen Fotos hat sich immer wieder gezeigt, dass der eine oder die andere Dinge gesehen und fotografisch festgehalten hat, die überraschend waren, d.h. er/sie hat etwas erkannt, das nicht alle erkannt hätten oder haben. Das wurde besonders deutlich, als wir einmal gemeinsam zur Fotosafari unterwegs waren, in dem Fall an einem „lost place“.

Was bei der Gelegenheit auch deutlich wurde, war, dass man Zeit braucht, mitunter mehr, als ursprünglich gedacht. Es ist ein Unterschied, ob man ein Fußballspiel fotografisch dokumentieren möchte oder in der Landschaft unterwegs ist. Beim Fußballspiel kommt es auf Schnelligkeit an, um die „action“ im rechten Moment zu erwischen. In der Landschaft oder bei Stillleben und Porträts habe ich deutlich mehr Zeit. Bei der Tierfotografie gibt es allerdings auch Momente, wo man schnell sein muss.

Nichtsdestotrotz profitiert man, wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt, um die Bildgestaltung abzuwägen. Zudem spart man Zeit, wenn man der idealen Ablichtung gleich von vornherein möglichst nahekommt, so dass nicht so viel Mühe in die Nachbearbeitung gesteckt werden muss. Das Schärfen der Sinne braucht Übung und Gelegenheit. Darum: Möglichst die Kamera an viele Orte mitnehmen und fotografieren.

Zwei Beispiele für verschiedenes Sehen beim selben Objekt, die für sich sprechen:

Alter Ford am Straßenrand | Foto: Matthias Müller,
Olympus E3, 1/500 sek, f/5.6, ISO 125, Zuiko 14-542.8-3.5, 62mm (bei Vollformat)
Alter Ford am Straßenrand | Foto: Matthias Müller,
Olympus E3, 1/500 sek, f/5.6, ISO 125, Zuiko 14-542.8-3.5, 40mm (bei Vollformat)

Sehen als Teil des Fotografierens (1)

Es ist eine Seite des Fotografierens, seine Kamera soweit zu beherrschen, dass sie tut, was sie soll. Idealerweise muss man nicht lange überlegen, um die Einstellungen zu finden, die man für die jeweilige Situation braucht. Das ist besonders bei Leuten wichtig, die Fotografie nicht professionell, sondern als Hobby betreiben. Denn gerade hier kommt es häufiger vor, dass man sich immer wieder in wechselnden Situationen befindet.

Aber das ist nur „die halbe Miete“. Mindestens ebenso wichtig ist das Sehen. Das sogenannte „fotografische Auge“ meint nicht, etwas blitzschnell zu erfassen, sondern (in Ruhe) die Gesamtsituation zu erfassen und dann zu entscheiden, welche Aussage ich durch mein Foto transportieren möchte. Nehmen wir das folgende Bild als erstes Beispiel:

Was ist zu sehen? Das Schild „Fußgängerzone“ springt ins Auge. Aber ist das alles? Welche Jahreszeit ist es (rechter Bildrand!)? Zu welcher Uhrzeit ist das Foto entstanden (Schatten sind lang!)? In welchem Jahr (Maskenpflicht in der Fußgängerzone!)? Wie wirkt die Kombination aus Fußgängerzonen-Schild und dem Schild für Maskenpflicht? usw.

Nun kann man besser entscheiden, was die Bildaussage werden soll. Noch ein Beispiel für bewusstes Sehen findet sich im nächsten Bild:

Das Bild wird natürlich vom Apothekensymbol dominiert. Nur wer aufmerksam hinschaut, sieht auch das Straßenschild – und erkennt auch noch den Witz an der ganzen Sache.

Fortsetzung folgt.

Jahreszeiten: Frühling

Kaum eine Jahreszeit, die so herbeigesehnt wird wie der Frühling. Endlich wieder Sonne, endlich wieder Grün. Und Farben. Die Natur wetteifert im Wachsen und Gedeihen. Neben den blühenden Bäumen ziehen auch immer mehr Blumen unseren Blick an.

Fotografisch gesehen sind sie nicht nur wegen ihrer Farben und Formen interessant, sondern auch, weil sie so schön stillhalten. Darum gibt es jede Menge Blumenfotos, und besonders Anfänger im Fotobereich finden dort schnell ein Betätigungsfeld. Wer schon etwas fortgeschritten ist, kann versuchen, sein Talent auf kreative Weise einzusetzen.

Dazu gehört die richtige Blendenwahl und der geeignete Bildausschnitt. Soll wirklich das ganze Blumenbeet im Bild sein oder wäre nicht eine einzelne Blüte viel wirkungsvoller, besonders, wenn man sie mit weitgehend geöffneter Blende (kleine Blendenzahl) vom Hintergrund löst?

Der erste Reflex besteht natürlich darin, eine Blume so zu fotografieren, wie man sie immer sieht: von oben mit geöffnetem Blütenkelch. Allerdings ist klar, dass dieser „übliche“ Blickwinkel auch der langweiligste sein kann (je nach Blüte aber nicht sein muss!). Dennoch sollte man versuchen, auch einmal andere Blickwinkel einzunehmen. Zum Beispiel kann es durchaus eine interessante Perspektive sein, einmal Blumen von unten quasi aus der Froschperspektive gegen den Himmel zu fotografieren, siehe nachstehendes Beispiel:

Rudbeckia fulgida – Olympus E-3, 1/250 sek, f/16, -0,7 Bel.korr., 14mm, ISO 200

Apropos Himmel: Bei einem Blumenfoto aus der Froschperspektive macht sich blauer Himmel natürlich schön. Grundsätzlich aber sollte man nicht denken, dass nur bei Sonnenschein gut fotografieren ist. Besonders wenn es um leuchtende Farben geht, ist eine gleichmäßige Bewölkung eher von Vorteil, denn sie wirkt wie ein Diffusor vor einer künstlichen Lampe, sorgt für gleichmäßiges Licht, das die Farben besonders hervortreten lässt.

Kann Ihre Kamera Doppel- bzw. Mehrfachbelichtungen? Dann wäre auch das einmal ein interessanter Versuch, eine Blüte zunächst einzeln und dann noch einmal in dasselbe Foto im Blütenverbund hineinzufotografieren, wie ich es im folgenden Foto einmal exemplarisch an einem schon verblühenden Tulpenbaum illustriert habe. Auch hier gilt: Probieren geht über Studieren!

Magnolie – Canon EOS R5, 1/320 sek, f/5.6, 50mm, ISO 100, Doppelbelichtung

Bildkomposition intuitiv

Für die Bildkomposition gibt es verschiedene Regeln, z.B. die sog. Drittel-Regel oder die Vermeidung falscher Tangenten usw. Aber mit der Kamera in der Hand und dem Finger auf dem Auslöser geht sicher kaum jemand alle möglichen Regeln durch, bevor er oder sie das Foto schießt. Die Gefahr wäre auch, dass, wenn alle immer alle Regeln befolgen würden, schlussendlich alle Bilder gleich aussähen.

Vielmehr ist es zwar gut, die Regeln irgendwo im Hinterkopf zu haben, aber dennoch intuitiv zu fotografieren. Dazu gehört zunächst, dass man sich nicht ausschließlich von dem Element bestimmen lässt, das einen zuerst angezogen hat, um das Foto zu machen, sondern alles einzubeziehen, was man sieht. Als Nächstes wäre zu empfehlen, die Augen einmal zusammenzukneifen, also zu blinzeln. Was sticht jetzt noch an Elementen hervor, was drängt sich im Blickfeld auf? Diese Dinge werden auch auf dem Foto zu sehen sein und vielleicht sogar mit meinem Hauptelement konkurrieren. Müsste ich daher meine Komposition anpassen, z.B. den Ausschnitt anders wählen, näher herangehen, den Betrachtungswinkel ändern?

Der Blinzel-Effekt kann zumindest bei ruhenden Motiven hilfreich sein. Wenn es um schnelle Bewegungen geht, sieht die Sache vielleicht schon wieder anders aus. Und manchmal kann man auch im Nachgang durch Beschneiden des Fotos Dinge korrigieren, die man am Anfang übersehen hat, oder wie im Foto unten, es die Brennweite nicht zuließ, dichter heranzukommen.

Canon R5, 1/20 sek., f/32, 200 mm, ISO 100 (Bildausschnitt)