Wetterfotos

Mancher meint, dass Sonnenschein das richtige Wetter zum Fotografieren ist. So schön ein Sonnentag ist, bieten gerade andere Wettersituationen mindestens ebenso schöne Fotomotive. So kann z.B. Regen durchaus attraktiv zu fotografieren sein, und wenn es nur ganz schlicht die Tropfen sind, die sich an der Scheibe des fahrenden Zuges nach hinten schieben.

Wandernde Regentropfen am fahrenden Zug, Canon EOS M50, 1/40 sek, f/4.5, ISA 160, 30mm

Entscheidend ist, dass man das Motiv erkennt, die Kamera zur Hand nimmt und versucht, das Bild einzufangen. Es lohnt sich allerdings auch, sich in Grenzsituationen auf den Weg zu machen. Natürlich ist die eigene Sicherheit immer das oberste Gebot und man sollte sich nicht wegen eines Fotos unnötig in Gefahr bringen. Gleiches gilt für das Equipment. Nicht alle Kameras und Objektive sind gleich gut vor Nässe geschützt. Weniger schön wirkt es sich aus, wenn der Wind Regentropfen auf die Linse weht. Daher: Auf die Windrichtung achten und Linse kontrollieren, ggf. mit Mikrofasertuch wieder trockenwischen und wenn irgend möglich bei Nässe mit dem Wind fotografieren, nicht gegen den Wind.

Das folgende Foto entstand in einer Regenpause zwischen zwei Gewitterfronten – eine vor und eine hinter mir. Der Donnerklang nach den Blitzen signalisiert, wie weit das Gewitter noch entfernt ist und hilft, die Gefahr abzuschätzen.

Gewitter am Wattenmeer, GoPro 9, 1/100 sek, f/2.5, (c) Matthias Müller

Fotos, die ich nicht (mehr) machen würde

Blumenwiese mit Fahrradlenker

Ja, es gelingt nicht immer alles. Man hat es sich schön vorgestellt oder der Moment schien günstig – und das Ergebnis enttäuscht. Warum? Weil manche Dinge eben nicht gehen. So habe ich vor einiger Zeit aufgehört, Fotos von Familienmitgliedern während des Essen zu machen. So schön die Atmosphäre oder die Stimmung bei der Feier ist – sie ist spätestens dann vorbei, wenn man die Fotos sieht. Es ist nun mal so, dass wir beim Essen den Mund verziehen, volle Backen haben, gedanklich bei der Gräte sind, die wir mit der Zunge gerade vom „Fischfilet“ trennen müssen. Dabei entstehen oft nicht sehr schmeichelhafte Fotos. Wer will die dann noch sehen? Also mache ich sie gar nicht erst.

Ich hatte die Blumenwiese am Straßenrand während der Autofahrt nach Hause gesehen. „Tolles Motiv!“, dachte ich. Also bei nächster Gelegenheit mit Kamera und Stativ aufs Fahrrad geschwungen, die paar Kilometer hingeradelt – und mit enttäuschenden Fotos nach Hause gekommen. Warum? Ich hatte mir einen ausgesprochen windigen Tag ausgesucht. Die Blumen waren zwar alle noch da in ihrer Pracht, aber der Wind wehte sie hin und her (meistens nur hin). Auch eine kurze Belichtungszeit half nicht, den konzeptionellen Fehler zu berichtigen: Im Wind entfalten die Blumen ihre schönen Blütenblätter nicht, sondern versuchen sie vor der bewegten Luft zu schützen, indem sie sie so eng zusammenlegen wie möglich. Ja, ich weiß, es ist einfach nur Physik. Dennoch – die erwartete Farbenpracht war auf einen windigen Rest zusammengeschrumpft. Beim nächsten Mal weiß ich: Blumenwiese bei Wind lohnt sich nicht, wenn man das Bild im Kopf hat, das mich zur Radfahrt motiviert hatte.

Damit habe ich ein weiteres Motiv in meiner „Mach-ich-nicht-mehr“-Sammlung. Dennoch habe ich mehr als das gelernt bzw. wieder bestätigt bekommen: Man lernt nur, wenn man etwas tut. Wäre ich zu Hause geblieben und hätte den Versuch mit der Wiese nicht gemacht, wüsste ich jetzt nicht aus erster Hand, wie ein solcher Versuch ausgeht. Und schon das war die kleine Foto-Rad-Tour wert.